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Aktuelles: Anatoli Uschomirski ein messianischer Jude in Adelsheim - Leidenschaftliches Plädoyer jüdischer Identität

Eingereicht von johannes.drechsler am 04. Dez 2015 - 05:57 Uhr

Dr. Roser & Anatoli Uschomirsky [2]

Adelsheim. Auf Einladung des Evangelischen Kirchenbezirkes Adelsheim-Boxberg in Kooperatin mit der Evangelischen Jugend Adelsheim-Boxberg sprach Anatoli Uschomirski am 2. Dezember 2015 im katholischen Gemeindezentrum in Adelsheim zum Thema „Messianische Juden – eine Herausforderung für Juden und Christen“.

Nach dem Willkommensgruß durch Pfarrer Dr. Roser führte dieser mit Anatoli Uschomirski ein kurzes Interview, das Gelegenheit bot den Referenten vorzustellen. Anatoli Uschomirski wuchs als Sohn jüdischer Eltern in Kiew in einer kommunistisch-atheistischen Umgebung auf. Er machte dort eine Ausbildung als Photograph und Phototechniker. Bereits in Kiew hatte er sich zu Jeshua HaMaschiach bekehrt nachdem er zuvor mehrere Jahre Buddhist gewesen war. In Kiew gehörte er zur derzeit größten messianisch jüdischen Gemeinde weltweit. 1992 reiste er als jüdischer Kontingentflüchtling von Kiew aus nach Deutschland. Wenig später begann er seinen Dienst beim EDI, dem Evangeliumsdienst für Israel und gründete eine der ersten jüdisch-messianischen Gemeinden in Deutschland. Parallel zu seinen Diensten hat er Theologie studiert.

Seinen Vortrag begann er mit dem Hinweis auf die beiden weiblichen Figuren der mittelalterlichen Kirchenkunst, der Ecclesia mit Krone, Kreuz und Messkelch und der Synagoge mit verbundenen Augen, zerbrochener Fahne und Gesetzestafeln als Allegorie für die überhebliche und Juden erniedrigende Sichtweise der historischen Kirchentheologie. Den zahlreichen Zuhörern stellte er die Frage wo sie die messianischen Juden zuordnen würden, zur Kirche oder zur Synagoge. Mit dem historischen Rückblick in die Zeit der Urgemeinde machte er deutlich, dass die ersten Christen zu 100 % messianische Juden waren. Vor dem jüdischen Krieg im Jahre 70 n. Chr. habe es allein in Jerusalem dreimal so viele messianische Juden wie Pharisäer gegeben. Ausgegrenzt wurden die messianischen Juden von der Synagoge erstmals nach dem Bar Kochba–Aufstand im Jahre 135 als sich die messianischen Juden aus dem letzten jüdischen Widerstand gegen die Römer zurückzogen weil sie Bar Kochba nicht als Messias anerkennen wollten. Genau dasselbe passierte ihnen von Seiten der Kirche. Da immer mehr Völkerchristen zur Kirche kamen wurde es den messianischen Juden nicht mehr erlaubt ihre jüdischen Feste zu feiern und die jüdischen Rituale auszuüben. Ausgrenzung und Marginalisierung drohte ihnen so von beiden Seiten. Ihnen blieb nur Assimilation und damit die Aufgabe ihrer jüdischen Identität. 1900 Jahre war das die Situation. Juden konnten sich freiwillig zu Jesus bekehren, bisweilen wurden sie auch dazu gezwungen wie in Spanien oder in Russland unter dem Zaren, aber immer war es so, dass wenn sie jesusgläubig wurden, dann mussten sie ihre jüdische Identität aufgeben. In Deutschland gab es vor der Machtergreifung Hitlers über 1 Million jesusgläubige Juden in der evangelischen Kirche gegenüber einer halben Million jüdischgläubiger Juden. Als Beispiele aus dieser Zeit nannte Uschomirski die Arbeit von Arnold Frank, einem jesusgläubigen Juden aus Ungarn, der 1924 an der Jerusalemkirche in Hamburg die erste nationale messianische Konferenz und 1928 die erste internationale Konferenz und zahlreiche diakonische Werke organisierte. Aufgrund der Arbeit von Franz Delitzsch, der zahlreiche Institute gründete, kamen hunderttausende Juden zum Glauben an Jesus. Aber alle diese Werke wurden 1938 verboten und die evangelischen Juden erlitten dasselbe Schicksal wie die jüdischgläubigen Juden. Allein in Theresienstadt wurden über 115 evangelische Pfarrer umgebracht weil sie Juden waren. Die Assimilation hatte die Juden nicht vor dem Holocaust gerettet.

Sei einigen Jahrzehnten hat sich das grundsätzlich geändert, denn die messianischen Juden lassen sich die Assimilation nicht mehr gefallen. Juden, die heute zum Glauben an Jesus Christus kommen, ihn als ihren HaMaschiach erkennen und anerkennen, wollen bewusst Juden bleiben und als Juden leben. Sie wollen sich nicht assimilieren und ihre jüdische Identität aufgeben. Sowohl die rabbinischen Synagogen als auch die christlichen Kirchen haben das noch nicht realisiert. Die messianischen Juden könnten ein Bindeglied zwischen den beiden Religionen sein, werden aber weiterhin von Synagoge und Kirche ausgegrenzt. Die Synagogen wollen nicht akzeptieren, dass Juden in Jeshua ihren jüdischen Messias gefunden haben. Und die evangelischen Kirchen haben noch nicht akzeptiert, dass sie in den messianischen Juden Geschwister im Glauben vor sich haben, die sich nicht assimilieren lassen wollen. Ein langer Weg des Lernens und der Versöhnungsarbeit liegt noch vor uns. Wie die Begegnung mit den messianischen Juden gelingt wird Gradmesser dafür sein wie ernst wir es mit unserer religiösen Toleranz letztlich meinen.

Beindruckend waren die Lebensbilder von messianischen Juden, die Anatoli Uschomirski vorstellte. Eine sehr angeregte und lebendige Fragestunde schloss sich an den herausragenden Vortrag an.

 
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