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Aktuelles: „Ziviler Friedensdienst“ – Projekttag an der Schule am Limes in Osterburken

Eingereicht von johannes.drechsler am 27. Jan 2017 - 21:06 Uhr

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Eine nachdenkenswerte Alternative zu militärischen Auslandseinsätzen ist die zivile Konfliktbearbeitung. Mit Jürgen Menzel hatte die Schule am Limes in Osterburken am 26. Januar einen ausgewiesenen Experten zu Gast. Seit Mai 2016 arbeitet Menzel als Referent der Arbeitsstelle Frieden der evangelischen Landeskirche in Baden. Zuvor war er für einige Jahre über das Bundesministerium für internationale Zusammenarbeit und Entwicklung als Mitarbeiter des Deutschen Entwicklungsdienstes in Khartum, der Hauptstadt des Sudan, tätig. Er war dort zuständig für gewaltfreie Konfliktlösungen bei der Integration von ehemaligen Rebellensoldaten in die Zivilgesellschaft und für Projekte der Zusammenführung vormals gegeneinander streitender Parteien als Moderator, Trainer und Projektleiter. Ziel des Projekttages war es am Beispiel des Sudan den Schülerinnen und Schülern der 7. bis 10. Klassen Möglichkeiten ziviler Konfliktbearbeitung zu vermitteln und für den eigenen Kontext fruchtbar zu machen.

 

Auf Anregung und durch Vermittlung von Pfarrer Dr. Roser hatte Jürgen Menzel als Referent für diesen Projekttag gewonnen werden können. Neben Schulleiter Jochen Knühl und Pfarrer Roser war auch Bezirkjugendreferent Johannes Drechsler mit im Projektteam. Bereits in seiner Begrüßungsansprache betonte Schulleiter Jochen Knühl die Bedeutung dieses Themas für ein gutes Klima des Umgangs miteinander sowohl an der Schule als auch im gesellschaftlichen Alltag. Daran anknüpfend konnte Jürgen Menzel mit einem interaktiven Bingospiel, pädagogisch gelungen, eine Brücke schlagen zwischen der zivilen Konfliktbearbeitung im Sudan und der Verflechtung dieses Themas mit unserem historischen und wirtschaftlichen Kontext. Denn vor nicht allzu langer Zeit begannen in  unserem Land zwei Weltkriege. Besonders beschämend ist der Bau der deutschen Waffenfabrik von Heckler & Koch im Sudan, wo bis vor kurzem noch das G3 produziert wurde. Das Interesse der Schüler für das Thema konnte so geweckt werden.

Überall auf der Welt wollen Menschen in Frieden leben und träumen von einer gerechteren und besseren Zukunft. Ein friedliches Zusammenleben muss jedoch gepflegt, aufgebaut und manchmal aktiv verteidigt werden. Der zivile Friedensdienst vermittelt präventive gewaltfreie Maßnahmen. Meist jedoch wird er aktiv in Form der Nachsorge in Nachkriegssituationen, um den Frieden nachhaltig zu stabilisieren.

Von 2005 bis 2007 war Menzel in der sudanesischen Hauptstadt Khartum. Er erzählte den interessierten Schülern über seine Erfahrungen als Ausbilder, Friedenstrainer und Projektleiter. Viele Teilnehmer seiner Seminare haben den jahrzehntelangen Krieg  zwischen Nord und Süd selbst miterlebt, der 2009 mit der Unterzeichnung eines Friedensabkommens endete. Davor waren über zwei Millionen Menschen in blutigen Auseinandersetzungen im Darfur und in dem Konflikt zwischen der muslimisch-arabischen Regierung im Norden und den afrikanisch-christlichen Rebellen aus dem Süden gestorben. Seit 2011 ist der Südsudan unabhängig. Bis heute gibt es Gewalt in dieser Region. Im Norden regiert Diktator Umar al-Bashir. Der Dafur-Konflikt ist immer noch ungelöst. Im Süden bekämpfen sich Präsident Salva Kiir und Rebellenführer Riek Machar. Seit der Unabhängigkeit streiten beide Länder gewaltsam über ihre Grenzen. Ursache dieser Auseinandersetzungen sind riesige Ölvorkommen im Süden und die Abhängigkeit des Südens vom Norden aufgrund der Ölpipeline ans Rote Meer. Ein großes Problem sind die über 12 Millionen Binnenflüchtlinge. Es ist insbesondere die Langeweile in den Flüchtlingslagern und der damit verbundene Mangel an qualifizierter Arbeit. Die beiden Länder funktionieren wirtschaftlich überwiegend nur aufgrund der Schattenwirtschaft im informellen Sektor. Der Staat ist herausgefordert die zerstörte Infrastruktur an Brücken und Straßen wieder aufzubauen. Auf militärischer Ebene gilt es die ehemaligen Rebellensoldaten und Kindersoldaten zu entwaffnen und wieder in die Zivilgesellschaft einzugliedern. Dabei müssen die Traumatisierungen bearbeitet und Ausbildungen für die jungen Männer gefunden werden. Die Herausforderung ist an Versöhnungsrituale in den Stammesreligionen und an die Friedensbotschaft der Kirchen und Moscheen anzuknüpfen.

Mittels eines Planspieles forderte Jürgen Menzel die Schülerinnen und Schüler heraus, Lösungsvorschläge zum Wiederaufbau eines Dorfes in den Nuba Mountains und der Rückführung seiner ehemaligen Bewohner zu erarbeiten. Nach dem Überfall durch Rebellen ist die Bevölkerung in drei Richtungen geflüchtet: ins Regierungsgebiet, ins Rebellengebiet und in die Berge. Diese Zusammenführung und diesen Neuaufbau galt es zu bedenken. Für die Dorfbewohner, die wie die Schüler, mittels von Workshops ihre Prioritäten erarbeiteten, standen die Beschaffung von Saatgut, die Errichtung einer Krankenstation und der Bau einer Schule an erster Stelle. Menzel machte deutlich, dass Seminare und Workshops, Rollenspiele, vertrauensbildende Maßnahmen, die Ausbildung von einheimischen Trainern, die Schulung von Juristen, Lehrern und Journalisten zum Aufbau von Vertrauen für die neue Zivilgesellschaft enorm wichtig seinen.  Sein Fazit war eindeutig: Es sollten viel mehr Mittel in zivile Prozesse investiert als für Militärausgaben getätigt werden.

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