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Aktuelles

Gewaltfrei gegen den Islamischen Staat

Eingereicht von johannes.drechsler am 20. Jan 2016 - 10:25 Uhr

Bild Peace

Adelsheim. Der Kirchenbezirk Adelsheim-Boxberg hatte am 13. Januar 2016 Stefan Maaß, den Landesbeauftragten für Frieden der Evangelischen Landeskirche in Baden, zu einem Podiumsgespräch in das evangelische Gemeindehaus nach Adelsheim eingeladen.

Seit den brutalen Terroranschlägen in Paris im November 2015 und den neuen Anschlägen in Istanbul, Jakarta und im Irak, ist die Debatte darüber wie dem internationalen Terrorismus des Islamischen Staates begegnet werden kann, neu entflammt. Frankreich hat seine Verbündeten in der EU um Beistand im Krieg gegen den Islamischen Staat gebeten und die Bundesregierung hat beschlossen, sich daran mit militärischen Mitteln zu beteiligen.

Frieden

Im voll besetzen Gemeindesaal hieß Pfarrerin Bless alle Anwesenden herzlich willkommen. Pfarrer Dr. Roser begrüßte den Referenten und führte in das Thema ein. Stefan Maaß begann mit der Frage nach dem Islamischen Staat, was er ist, was er will, wie er sich rekrutiert und wie es zum Aufstieg und zur Macht des IS kam. Interessant ist, dass der IS keine homogene Gruppe, sondern sehr heterogen zusammengesetzt ist. Er will als religiöse Gruppe und als Staat wahrgenommen werden, so Maaß. Bei näherem Hinsehen erkennt man, dass es sich um Islamisten, ehemalige Soldaten von Saddam Hussein, Sunniten aus Syrien, die im Kampf gegen Assad stehen und externen Kämpfern aus einer Vielzahl verschiedener Länder handelt. Genauso unterschiedlich ist auch der Anlass dort mitzumachen. Als stärkste Motive nannte Maaß die Verteidigung der Sunniten, die Führungen des Jihad, die Anziehungskraft des radikalen Umfeldes oder einfach die Möglichkeit Angehörige des Islams zu verteidigen. Bei Kämpfern aus dem syrisch-irakischen Umfeld würde überwiegend Status gesucht, während bei westlichen Kämpfern die Identitätssuche im Vordergrund stünde. Hinzu kämen bei Kämpfern aus arabischen Ländern Thrill und Rachemotive. Als Gründe für den Aufstieg des IS nannte er den Irakkrieg, religiöse Machtkämpfe, den Irak als künstlichen und multiethnischen Staat, der heute Sunniten ausgrenzen würde. Hinzu käme die hohe Arbeitslosigkeit in den betroffenen Ländern. Die Macht des IS gründe sich finanziell insbesondere auf Schutzgelderpressung, Ölverkäufe und Unterstützung aus Saudi-Arabien. Darüber hinaus spiele die Medienstrategie, Angst erzeugender Gehorsam und der nicht mehr funktionierende Staat eine bedeutende Rolle. Relevant für die weiteren Überlegungen sei es auch die Strategie des IS ins Visier zu nehmen. Dabei ist folgendes Schema zu beobachten. Der IS übe Gewalt aus wodurch Chaos entstünde. Dann würden mediale Schlachten geführt. Durch das Chaos entstünde ein Machtvakuum. Schläfer schlichen sich ein, die dann beim Angriff auftauchten und dem IS zum Sieg verhülfen. Dann würde ein autoritäres Staatswesen aufgebaut, in dem Ordnungsstrukturen eingeführt und auch Sozialleistungen für schwache Gesellschaftsschichten geleistet würden. Diese Vorgehensweise ermögliche es dem IS langfristig ein Gebiet seiner Herrschaft zu unterwerfen.

Als mögliche Ziele des Militäreinsatzes gegen den IS nannte Maaß ein militärisches Zurückdrängen, Zerstören der Infrastruktur, Töten der Anführer bis hin zu Waffenstillstand und Verhandlungen. Militärische Unterstützung von Assad im Kampf gegen den IS gäbe es von Russland und China. Der Westen interveniere direkt gegen den IS, unterstütze durch Waffenlieferungen und Ausbildung die kurdischen Peschmerga und führe Friedensverhandlungen in Wien.

Maaß ließ massive Zweifel daran aufkommen ob denn überhaupt ein militärischer Sieg gegen den IS errungen werden könne. Zivilisten seien bei Militäreinsätzen immer die ersten Leidtragenden und falls der IS tatsächlich zerschlagen würde bestünde die Gefahr, dass andere neue Terrorgruppen entstünden. Außerdem stärke die militärische Intervention den IS, neue Kämpfer ließen sich rekrutieren, die Friedensverhandlungen würden gefährdet, der Flüchtlingsstrom verstärkt und die Neigung des IS, Terroranschläge in anderen Ländern auszuüben erhöht.

Als Alternativen im Kampf gegen den IS nannte Maaß das Austrocknen der Finanzströme, Sanktionen gegen Einzelpersonen und Firmen, die mit dem IS Öl, Gas, Kunst und Waffen handeln, die internationale Fahndung nach IS-Kämpfern, Aussteigerprogramme für ehemalige IS-Kämpfer sowie gewaltfreier Widerstand und Proteste von Einzelpersonen. Hier nannte Maaß mehrere erfolgreiche Beispiele insbesondere von Frauen und Frauengruppen aus Syrien, welche die Vision eines gewaltfreien Syrien und Iraks weiter trügen und im Kleinen das auch umgesetzten. Über diese Beispiele entwickelte sich eine lebendige Diskussion. Außer Frage stehe jedoch, dass neben dem zivilen Peacekeeping der Öl- und Gashandel, sowie Waffenexporte unverzüglich eingestellt werden sollten. Deutschland, so mahnte Maaß zum Schluss, solle sich auf die Rolle des Vermittlers beschränken, da durch militärische Interventionen die Terrorgefahr hierzulande erhöht würde.

Pfr. Dr. Markus Roser