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Aktuelles

Messianisches Judentum ein Studientag mit Anatoli Uschormiski

Eingereicht von johannes.drechsler am 15. Nov 2016 - 05:30 Uhr

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Im vergangenen Jahr hatten wir mit den Studien zum messianischen Judentum in unserem Kirchenbezirk begonnen. Anatoli Uschormiski, selbst Jude, messianischer Leiter und Mitarbeiter im EDI (Evange-liumsdienst für Israel) hatte seinerzeit in Adelsheim einen Vortrag über „Messianische Juden heute“ gehalten. Am 29. September 2016 kam er auf erneute Einladung des Kirchenbezirks nach Sennfeld zum Studientag über das Thema „Jüdische Messiaserwartung und kirchliche Christologie: eine messianisch jüdische Standortbestimmung“.

In seinem Vortrag vor über 20 Teilnehmern beschrieb er im ersten Teil die unterschiedlichen Messiaserwartungen im Judentum: Der gesalbte als König, die enge Verbindung zwischen Priester und König, das Auftreten messianischer Hoffnung und die Messiaserwartungen im Judentum in nachbiblischer Zeit. Im zweiten Teil „Jeschua der Messias“ legte er den Fokus auf die Ausarbeitung einer messianisch-jüdischen Christologie. Er verdeutlichte, dass der Messias ein Jude, ein Nachkomme Davids und ein König ist, der die Thora erfüllt indem er sie bestätigt, der kam um die Verheißungen des Neuen Bundes in Kraft zu setzen. Nach seiner Überzeugung ist Jeschua der Messias, identisch mit Adonai, der sich selbst am brennenden Dornbusch offenbarte. Er betonte, dass der Auftrag der messianischen Gemeinden heute darin besteht das Volk Israel zu seiner wahren Identität mit all ihren Aufgaben und Pflichten gegenüber Gott und den Menschen zurückzuführen. Das Wesentliche dabei ist die Erkenntnis des Messias, der uns mit Gott, dem Vater versöhnt hat. Den christlichen Gemeinden gegenüber besteht der Auftrag ihnen von ihren jüdischen Wurzeln zu erzählen und ihnen den jüdischen Messias vor Augen zu malen.

Die aktuelle Problematik in der sich die messianischen Gläubigen heute befinden beschrieb er in der Form eines Dreiecks zwischen Christen, Juden und messianischen Juden. Bedauerlicherweise haben Juden und Christen kaum Beziehungen untereinander. Den Christen fehle die Kompetenz, das Zeugnis vom jüdischen Messias dem jüdischen Volk zu bringen. Messianische Juden hätten eine schwierige Beziehung zu Christen, aber zumindest haben sie eine. Und zugleich haben die messianischen Juden eine schwierige Beziehung zu ihrem eigenen Volk. Die Herausforderungen, die sich den messianischen Juden stellten, ist, dass sie einerseits an Jeschua glauben und andererseits zugleich auch die Thora befolgen und ihre jüdische Identität leben möchten. Die Christen sagen: „Kommt zu uns und werdet einfach Christen!“Aber wir wollen unsere jüdische Identität nicht aufgeben. Und die Juden sagen: „Wenn ihr an Jesus glaubt, dann seid ihr keine Juden mehr!“ So gesehen sitzen die messianischen Juden regelrecht zwischen den Stühlen.

Ein tiefer Schmerz, so benannte es Anatoli Uschormiski, sei die innere und äußere Zerrissenheit zwischen Juden, Christen und messianischen Juden. Er nannte in diesem Zusammenhang die leidenschaftliche Fürbitte des Juden Paulus, die für ihn bis heute nichts an Gültigkeit und Aktualität eingebüßt hat: „Liebe Brüder! Der aufrichtige Wunsch meines Herzens und mein Gebet zu Gott sind, dass sie gerettet werden!“ (Römer 10,1)

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Statement von A. Uschormiski zur aktuellen Diskussion um die Frage der Judenmission

„Ja, ohne Zweifel brauchen Juden Jesus zum ewigen Heil! Das jüdische Volk wurde von Gott erwählt, ‚ein Licht für alle Nationen zu sein‘ (Jesaja 42,6). Die Botschaft von Gott allen Menschen zu verkündigen, ist das Ziel der Erwählung Israels. Dieser Auftrag beinhaltet vor allem das eigene Volk (Jesaja 9,2; Apg 1,16). Ohne an Jesus als ihren Messias zu glauben, können die Juden ihren Auftrag gegenüber den Völkern nicht erfüllen. Die Kirche hat die missiologische und eschatologische Bedeutung Israels völlig ausgeblendet. Als Konsequenz wurde das Volk der Juden entweder als Gottesmörder angesehen oder (im besten Fall) genauso wie alle anderen Völker missioniert, ohne Rücksicht auf die nur ihnen von Gott gegebenen Vorrechte (Römer 9,4-5).

Was Juden bestimmt nicht brauchen, ist die so genannte Judenmission, die aus Juden Christen macht. Als Volk haben wir die Auswirkungen solcher Aktionen über Jahrhunderte erlebt. Ich bin überzeugt: Das will Gott nicht! Gemäß Jeremia 31,35-37 und vieler anderer Bibelstellen will Gott, dass Juden ihre jüdische Identität behalten. Christen sollten Juden dazu ermutigen, ihren Glauben an Jesus in einem jüdischen Kontext zu leben und dadurch ihren Volksgenossen ein positives Beispiel zu geben.

Der Messias ist ein jüdisches Konzept! Darum ringen die jüdischen Apostel mit der Frage: Was ist jetzt mit den Heiden, die auch an unseren Messias glauben? Die Frage, ob Juden Jesus zum Heil brauchen, käme ihnen nicht in den Sinn! Der Jude Jesus, seine jüdischen Jünger, die Zehntausenden Eiferer des Gesetzes, die Jesus nachfolgen – das alles passierte in einem jüdischen Kontext. Wenn man das berücksichtigt, dann ist die Frage, ob Juden Jesus zum Heil brauchen, meiner Meinung nach überflüssig!“