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Aktuelles

Kinder vor Missbrauch schützen

Eingereicht von johannes.drechsler am 14. Jun 2016 - 05:44 Uhr

Alle Achtung! 3

Die täglichen Berichte und Enthüllungen über neue Missbrauchsfälle in verschiedenen Einrichtungen sorgen für Ratlosigkeit. Wie kann man Missbrauch erkennen, wie kann man Kinder stärken?

Erzieherinnen und Verantwortliche für die Kindergartenarbeit der Evangelischen Kirchengemeinde Buchen gehen diese Fragen nach. Die Schulung der Evangelische Jugend Adelsheim-Boxberg – „Alle Achtung! Grenzen achten, vor Missbrauch schützen“ geht diesen Fragen nach. Über 120 ehren- und hauptamtliche Mitarbeite in der Kinder- und Jugendarbeit wurden im Evangelischen Kirchenbezirk Adelsheim-Boxberg geschult.

Unter sexueller Gewalt ist dabei im rechtlichen Sinne nicht nur tatsächliche körperliche Gewalt zu verstehen, sondern etwa auch die Belästigung mit obszönen Redensarten, die Selbstbefriedigung des Täters vor dem Opfer oder die Berührung im Intimbereich. Eine Erwachsenen-Stichprobe in den USA hat ergeben, dass jede dritte bis vierte Frau und jeder siebte bis zehnte Mann in der Kindheit sexuell missbraucht wurde. Wie repräsentativ diese Zahlen für Europa sind, ist ungeklärt.

Der beste Schutz bestehe darin, Kinder zu selbstbewussten jungen Menschen zu erziehen, die mit allen Themen offen umgehen, sagt Johannes Drechsler. Zeit haben, zuhören sei wichtig. Denn die Täter suchten sich oft Kinder aus, die bedürftig und einsam sind, die Anerkennung suchen. "Kinder, die nicht auf fremde Zuneigung angewiesen sind, die genügend erwachsene Bezugspersonen haben, treten selbstbewusster auf und sind weniger gefährdet." Sie trauen ihrem "Bauchgefühl" und können leichter "Nein" sagen, wenn ihre Grenze überschritten ist und sie gegen ihren Willen berührt werden.

Johannes Drechsler, Bezirksjugendreferent des Evangelischen Kirchenbezirk Adelsheim-Boxberg erklärt, trotz der Aufregung in einem Verdachtsfall, müssten sich die Mitarbeiter zuerst um die Bedürfnisse des Kindes kümmern. Trotz der Sensibilisierung sei Kindesmissbrauch dramatisch aktuell. Konkret lernen die Mitarbeiter in den Schulungen Regeln, wie beispielsweise das Vier-Augen-Prinzip oder auch "Prinzip der offenen Türen". Das bedeutet: Wenn große körperliche Nähe entsteht, wie beim Wickeln etwa, sollte das nicht hinter verschlossenen Türen stattfinden. Entweder bleibt der Erzieher oder die Erzieherin nicht allein mit dem Kind oder die Tür ist halb geöffnet Die Regeln erfordern viel Fingerspitzengefühl, damit zwar Aufmerksamkeit entsteht, aber kein Misstrauen zwischen den Kollegen geschürt wird. Außerdem muss die Intimsphäre des Kindes bei aller Transparenz gewahrt bleiben. Und vor lauter Korrektheit darf die körperliche Nähe zum Erzieher trotzdem nicht verloren gehen. "Wenn ein Kind kommt und getröstet werden will, wäre es traurig, es nicht in den Arm oder auf den Schoß zu nehmen", sagt Drechsler, aber der Wunsch nach Nähe solle vom Kind ausgehen. In den Schulungen lernen die Fachkräfte zum Beispiel auch übliche Strategien der Täter kennen, damit sie diese besser deuten können. Viele Täter wählen beispielsweise gezielt Mädchen oder Jungen aus, die sie als "leichte" Opfer empfinden. Sie suchen gezielt Lieblingsorte von diesen Kindern auf und versuchen Vertrauen aufzubauen. Sie testen, wie weit sie gehen können und verpflichten die Kinder, das Geheimnis zu wahren. 

Mit diesem Wissen um die eigenen Grenzen und den Möglichkeiten, die man als Pädagoge hat, geht diese Schulung zu ende.